Antonia:
Neues Jahr, neue Vorsätze. Es scheint, als würde zu Beginn eines neuen Jahres jeder versuchen, ein neuer Mensch zu werden – ein Vorhaben, das oft spätestens Ende Februar oder März wieder aufgegeben wird. Auch unser Redaktionsteam hat im Dezember auf das vergangene Jahr zurückgeblickt, um mit neuer Kraft neue (oder alte) Herausforderungen anzugehen. Der Januar ist zwar weniger ereignisreich, verspricht aber dennoch, für seeFField spannend zu werden! Wir starten diese Woche mit einem Winterkino, das in Zusammenarbeit mit der Fachschaft Süd-Ost und dem Ostertorkino organisiert wird. Darauf folgen zwei unserer Markenzeichen-Veranstaltungen: ein JournalistTalk am 20.01. und ein Snaklab am 28.01.
Für das Redaktionsteam, oder besser gesagt für mich persönlich, hat der Januar auch eine doppelte Bedeutung, da die Prüfungszeit schnell näher rückt. In diesen Tagen bereitet mir ein Besuch in der Bibliothek Kopfschmerzen. Nicht, weil ich lange lerne oder mich zu sehr anstrenge, sondern eher aus Ärger weil meistens alle Ladestationen besetzt sind! Ich habe mir deshalb für das neue Jahr vorgenommen, immer früh genug in die Bibliothek zu kommen um einen Platz mit einer Steckdose zu finden.
Aber abgesehen davon, möchten wir die Gelegenheit nutzen, in diesem Blogbeitrag auch über die eine Sache zu reden, die uns alle antreibt: die psychische Gesundheit. Als Studierende neigen wir dazu, in ungesunde Muster zu verfallen und „unwichtige“ Dinge zu vernachlässigen. Die ganze Nacht durchzulernen, Aufgaben in letzter Minute zu erledigen und große Mengen Koffein zu konsumieren, wird oft als Zeichen von Stärke angesehen, obwohl es eigentlich ein Anzeichen für Probleme sein kann. Da die Prüfungszeit schnell näherrückt, möchte ich an unsere Leser appellieren, auf ihre Gesundheit zu achten. Lernen und Prüfungen bestehen ist ein Marathon, kein Sprint, und jeder kleine Schritt in die richtige Richtung zählt. Die ganze Nacht vor der Prüfung durchzulernen ist oft weniger hilfreich, als eine gesunde Menge Schlaf zu bekommen. Das mag ironisch klingen, wenn es von einer Studentin kommt, die sich zuvor in sehr ähnlichen, ungesunden Situationen befand. Aber ich glaube, es ist wichtig, sich daran zu erinnern, dass wir nicht allein sind.
Elina:
Psychische Gesundheit ist genauso wichtig wie die körperliche. Man muss sich genauso um sie kümmern, lernen, auf sich selbst zu hören, sich zu verstehen und wertzuschätzen. Dabei kann Therapie helfen. Doch die Meinungen dazu sind oft kontrovers. Manche sagen, es gebe nichts Besseres, als Sorgen mit der Familie oder mit Freunden zu besprechen. Sie kennen uns ja besser als irgendwelche fremden Personen. Andere glauben an die heilsame Wirkung der Therapie.
Ein guter Therapeut wird nicht versuchen, alles über euch zu erfahren oder euch besser zu kennen als eure Liebsten. Stattdessen wird er die richtigen Fragen stellen, auf die ihr selbst die Antworten finden könnt. Die Wahrheit ist: Niemand kennt euch besser als ihr selbst. Niemand wird euch eine magische Pille geben, die eure Probleme löst. Wie bei jeder Tätigkeit ist es auch in der Therapie wichtig, neugierig zu bleiben. Habt immer Lust, euch selbst zu entdecken. Lest euch wie ein Buch und bleibt gespannt darauf, was ihr auf der nächsten Seite erfahrt.
Ich bin selbst seit fast zwei Jahren in Therapie, und sie hat mir enorm geholfen. Ich habe erkannt, dass ich die Antworten selbst auf die schwierigsten Fragen in mir finden kann. Ich habe verstanden, woher bestimmte Sorgen und zwanghafte Gedanken kommen und wie ich mit ihnen umgehen kann. Eine große Entdeckung für mich war, dass viele Sorgen aus einem geringen Selbstwertgefühl stammen. Das ist der Fall, wenn man versucht, etwas im Leben festzuhalten, das man eigentlich nicht mehr braucht, nur weil man sich dadurch wertvoller fühlt. Das betrifft zum Beispiel Jobs, durch die wir uns „wertvoll“ fühlen, die uns aber eigentlich keinen Spaß mehr machen. Oder Beziehungen und Freundschaften, die wir aus Angst verlieren zu müssen aufrechterhalten, die uns jedoch eher schaden als guttun.
Ein weiteres Thema, das während der Therapiesitzungen häufig auftaucht, ist der Wunsch, alles kontrollieren zu wollen, sowie die Angst, manche Dinge einfach loszulassen. Leider – oder vielleicht auch zum Glück – können wir nicht alles kontrollieren. Gegenüber Dingen, die wir nur teilweise oder gar nicht beeinflussen können, ist es besser, gelassener zu bleiben, um nicht ständig Enttäuschungen zu erleben.
Wenn ihr darüber nachdenkt, in Therapie zu gehen oder sie einfach einmal auszuprobieren, gibt es an der Uni Regensburg die Psychologische Beratung. Das Angebot ist für Studierende kostenlos. Meldet euch an und steuert, so gut ihr könnt, das Wichtigste: eure psychische Gesundheit.
Iman:
Mit dem Beginn des neuen Jahres 2026 haben viele Menschen ihre Vorsätze, Vision Boards und Manifestationen bereits vorbereitet. Begriffe, die im Dezember häufig im Zusammenhang mit den Vorbereitungen auf einen Neuanfang auftauchen. Die Vorstellung, eine neue, saubere Seite aufzuschlagen und die eigene Geschichte neu zu schreiben, wirkt besonders anziehend.
In Wirklichkeit hängt Veränderung jedoch nicht von einem bestimmten Datum ab und sollte es auch nicht. Jeder neue Tag bietet die Möglichkeit, das eigene Leben zu reflektieren, etwas zu verändern und neu zu beginnen. Die menschliche Psychologie ist eher auf einen Neuanfang ausgerichtet und fühlt sich sicherer, wenn man die Chance hat, von vorne anzufangen, schließlich ist es ein neuer Anfang.
Meine Kolleginnen haben bereits sehr eindrucksvoll darüber geschrieben, was uns in diesem Monat erwartet und was das Januar-Thema Mental Health für uns bedeutet. In Deutschland wird psychische Gesundheit vergleichsweise offener thematisiert und zunehmend enttabuisiert. Jetzt, wo ich im Kosovo bin, spüre ich, wie sehr die Mentalität hier mit dem kollidiert, was mir in Deutschland beigebracht wurde. Psychische Gesundheit ist kein weit verbreitetes oder viel diskutiertes Thema, die Menschen ziehen es vor, einem Fremden ihre persönlichen Probleme nicht anzuvertrauen, was ihre Situation noch komplizierter macht. Denn selbst wenn ein Familienmitglied das Beste für dich will, hat es nicht die professionelle Ausbildung, um dir zu helfen, und Menschen wenden zunehmend an externe Hilfsquellen, darunter auch digitale Angebote wie künstliche Intelligenz. Wie effektiv diese sind, bleibt meiner Meinung nach abzuwarten.
Gleichzeitig gibt es auch positive Initiativen, die das psychische Wohlbefinden junger Menschen in Kosovo stärken sollen. Alle Grund- und weiterführenden Schulen sind verpflichtet, Schulpsycholog:innen zu beschäftigen, und zahlreiche Projekte befassen sich mit Themen wie Mobbing, Cybermobbing, Prävention von Belästigung sowie der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Inwieweit diese Angebote in der Praxis genutzt werden, lässt sich diskutieren, ihre Existenz ist jedoch ein wichtiger Schritt. Eine gesunde Gesellschaft braucht Information, Sensibilisierung und Aktivitäten, die das seelische Wohlbefinden fördern.
Im Kosovo schneit es in diesen ersten Tagen des Jahres 2026. Schnee steht immer für Reinheit und Schönheit, er ist kalt, bedeckt aber alles Hässliche und macht die Welt für einige Momente für alle gleich. Ich wünsche mir, dass dieses Jahr für uns schön und reichhaltig wird.